Liebe Bands, hört auf mit diesen Zugaben

Man muss wissen, wann genug ist. Auch als Band. Oder vor allem als Band. Wer Zugaben spielt, hat meinen Applaus nicht verdient. Ein Kommentar. Oder eine Glosse. Oder was auch immer. Auf jeden Fall „machtsmishässig“.

Ich mag Konzerte. Irgendwie. Ich mag es, wie die gemeinsame Vorfreude beim Anstehen leicht vor sich hinköchelt. Wie eine kräftige Suppe, deren Duft bereits den späteren Genuss im Gaumen erahnen lässt. Ich mag die leicht unbeholfenen Gespräche über Anreise, Tourplan der Band und Erinnerungen an vergangene Konzerte. «Läck, hätts am Bahnhof vill Lüüt gha», «Gäll, nochher gönds wiiter uf Budapest?» und «Weisch no, 1998 – d’Stones im Letzi?!? Megageil gsi.» Ich mag die Rucksack-Kontrollen, die mir suggerieren, auch ein braver Bürger wie ich könnte ein möglicher Bad Boy sein. Boah. Doch nachdem mir mein Evian-Fläschli abgenommen und mein Pullover mit einem Schulterzucken wieder in den Rucksack gesteckt wurde (doch kein Bad Boy), geht’s abwärts.

Denn jetzt steht man nicht mehr für das grosse Ganze an, sondern für Bier, Pommes, WC. Naja, halb so wild. Immerhin gibt’s Trinken, Essen, Erleichterung. So bezahlt man also 35 Franken für 5 Bier, trägt sie unbeholfen in so einem Tragekarton durch die Menge und hat schon die Hälfte über den Schuhen, bis man überhaupt nur in die Nähe der Biertrinkenden gelangt. Dito bei den Pommes, die sind jedoch einen Franken billiger. Aber auch hier: halb so wild. Denn das Schlimmste kommt erst noch.

Und ich meine nicht die 957’453 gezückten Handykameras während des Konzertes. Ich meine auch nicht die Tatsache, dass ich jeweils nach dem dritten Song schon wieder so fest aufs WC muss (besser die 35 Franken gespart), dass ich den Rest des Konzertes gar nicht mehr geniessen kann.

Nein, ich meine die Zugaben. Dieser unsägliche Rattenschwanz nicht mehr enden wollender Selbstbeweihräucherung der Band unter dem scheinheiligen Vorwand, dem Publikum ihren tristen Alltag, bestehend aus Evian-Fläschchen und Pullovern in Rucksäcken, zu versüssen.

Ich meine, bitteschön! Ihr habt gerade eineinhalb bis zwei Stunden eine geile Show abgeliefert. Habt mit den Lichteffekten mehr Strom verbraucht, als eine Kleinstadt in 5 Jahren und seid am Schluss erhobenen Hauptes und mit tosendem Applaus von der Bühne getragen worden. Also wieso? Wieso noch einmal zurückkommen? Diesen Moment der absoluten Perfektion, wenn der letzte Akkord noch in der Luft hängt, kaputt machen? Und winkend und Gitarre-anschnallend wieder auf die Bühne treten? Es ist doch wie beim Sex. Da gibt es auch den einen, grossen Höhepunkt. Das non-plus-ultra, das Grande Finale der ineinander verflossenen Körper. Und danach liegt man ausgelaugt und (im Optimalfall) überwältigt nebeneinander. Und fingert nicht noch irgendwas im Schritt des/der anderen herum, weil (im Optimalfall) irgendjemand applaudiert.

Und dann gibt es diese Bands, die ihre grossen Hits als Zugabe spielen. Was seid ihr für eingebildete Penner? Sich das Beste zum Schluss aufsparen…ok. Aber es bringen, wenn bereits Schluss ist? Echt nicht! Beim Sex wäre dass dann, als ob man nach dem Akt, wenn schon alle ausgelaugt sind, sagen würde: «Hey, ich kann super Tantra-Massagen, die dich unglaublich scharf machen.» Bravo – und damit kommst du jetzt?

Naja, vielleicht hasse ich Zugaben einfach auch, weil ich zu der Zeit vor lauter voller Blase schon halb das Bewusstsein verloren habe. Und jeder weitere, gespielte Ton trägt mich näher zur Einnässung meiner selbst. Aber wie gesagt: Ich mag Konzerte. Irgendwie.

 

 

 

 

 

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